Interview mit Franziska Lienert

„Gerade für meine Generation fühlt sich die Reisefreiheit innerhalb der EU selbstverständlich an – wir dürfen nicht vergessen, dass sie es nicht ist.“

Europa braucht Helden: Auch Startups sind sich dessen bewusst. Franziska Lienert ist Teil des Teams von Too Good To Go Deutschland und weiß von den Vorzügen der EU aufgrund des Austauschs mit ihren europäischen Kolleginnen und Kollegen zu berichten. Sie wollen gemeinsame Probleme wie die Lebensmittelverschwendung auch gemeinsam angehen. Deshalb ist es für sie selbstverständlich, am 26. Mai wählen zu gehen.

Die Einflüsse von Europa und der Europäischen Union auf uns sind vielfältig, aber einem oft nicht bewusst. Gerade für junge Menschen sind die Errungenschaften der EU zur Selbstverständlichkeit geworden. Wie schätzen Sie den Einfluss auf Sie persönlich ein? Welchen Aspekt der EU schätzen Sie am meisten?

Es gibt vielerlei Bereiche in unserem Alltag, in denen die EU eine Rolle spielt. Das fängt bei den grenzenlos verfügbaren Lebensmitteln im Supermarkt an und hört bei der Durchsetzung von Nachhaltigkeitszielen auf. Gerade für meine Generation fühlt sich die Reisefreiheit innerhalb der EU selbstverständlich an – wir dürfen nicht vergessen, dass sie es nicht ist. Durch sie entstehen Studien- und Arbeitsmöglichkeiten, die zum kulturellen Austausch beigetragen und unser Leben bereichern. Ich habe zum Beispiel während meines Studiums einen Erasmus-Austausch nach Salamanca in Spanien gemacht, was ohne die EU nicht so leicht möglich gewesen wäre – eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Sie sind Teil ein jungen und dynamischen Teams, das mithilfe einer App Lebensmittelverschwendung verringern möchte. Dabei ist „Too Good To Go“ in mehreren europäischen Ländern aktiv. Inwieweit brauchen wir die EU, um etwas gegen die Probleme unserer Zeit zu unternehmen?

In Zeiten der Globalisierung ist es wesentlich effektiver, wenn man mit vereinter Stimme spricht und als Einheit wahrgenommen wird. Das ist besonders wichtig, wenn es zum Beispiel um das Erreichen von den Nachhaltigkeitszielen der UN geht. Natürlich ist für uns bei Too Good To Go auch interessant, dass die EU ganz vorne steht, wenn es um Regelungen bezüglich Lebensmitteln geht. Hier können die Rahmenbedingungen verbessert werden, damit die Lebensmittelverschwendung reduziert wird. Zehn Prozent der Lebensmittelverschwendung in Europa entstehen beispielsweise durch ein Missverstehen des Mindesthaltbarkeitsdatums. Da könnte man also ansetzen und über die einzelnen Ländergrenzen hinweg Voraussetzungen schaffen, damit das nicht mehr passiert. Gleichzeitig ist es hilfreich, Maßnahmen, die in den verschiedenen europäischen Ländern umgesetzt werden, zu vergleichen und deren Erfolg zu messen, um Schlüsse für das eigene Land ziehen zu können.

Wie sieht die Zusammenarbeit der verschiedenen europäischen Teams von „Too Good To Go“ aus? Welche Möglichkeiten bietet die EU Startups? 

Für uns ist es natürlich toll, dass wir uns ohne Probleme und viel Bürokratie über alle Grenzen hinweg austauschen und miteinander arbeiten können. Die unterschiedlichen Erfahrungen unserer Kolleginnen und Kollegen in den anderen Ländern bereichern unsere tägliche Arbeit immens. Zusammen finden wir meist die besten Lösungen und können Ideen besser umsetzen. Gerade in der Startup-Phase ist es wichtig, sich schnell und flexibel vor Ort treffen zu können. Startups leben vom Austausch und der Schnelligkeit. Die Möglichkeit zum unkomplizierten Reisen ist da eine wichtige Voraussetzung. 

Unsere Kampagne sucht nach Heldinnen und Helden für Europa, die sich aktiv zur EU bekennen. Was tun Sie, um zu dem Gelingen der europäischen Idee beizutragen?

An erster Stelle steht natürlich: Ich gehe wählen und ermutige andere auch dazu, wählen zu gehen. Um die eigene Meinung und Interessen auf internationaler Ebene vertreten zu sehen, ist das eigene Wahlrecht wahrzunehmen, das A und O. Es ist ein Privileg, das viele auf der Welt nicht haben. Nicht zuletzt versuche ich im Austausch mit anderen, den Wert der EU hervorheben, da er für viele im Alltag nicht konkret sichtbar ist.

Vielen Dank für das Interview!

 

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